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Sensationsfund:
Bote aus der Eiszeit auf dem Deister

Zwei häufig (an Geologen) gestellte Fragen zum Thema „Eiszeitalter in Europa“ lauten:

Ein aktueller Jahrhundertfund, der sogenannte Schweden-Findling, ermöglicht neue Aussagen und belegt, dass auch der Deister, bisher als aus dem Gletscher herausragender Höhenzug vermutet, offensichtlich doch zeitweilig von Gletschereis vollständig überlagert war. Der Fund auf 365 m ü. NN, also nahe dem Deisterkamm, ist ein erster Nachweis dafür. Der Findling kann inzwischen als Naturdenkmal im Deister besichtigt werden. Die folgenden Bilder zeigen eine kurze Chronologie von der Entdeckung des Steins 2012 bis zu seiner Aufstellung unweit vom Fundort im Jahr 2018. Über den Link schwedenfindling.n-g-h.org erfahren Sie mehr über die Herkunft des Findlings und seine Bedeutung für die eiszeitliche Vergangenheit Norddeutschlands.

 

(1)

(1) Der Schweden-Findling (Pfeil) in der Position wie er am 18. Jan. 2012 vom NGH-Mitglied Ole Schirmer entdeckt wurde. Ein Sturm hatte südlich vom Fastweg (r. Bildhälfte) eine Fichte umgerissen und dadurch den zuvor unter ihrem Wurzelteller verborgenen Stein freigelegt. – Aufn. O. Schirmer (28.03.2012)

 

(2)

(2) Blick auf die Oberseite des Schweden-Findlings im Waldboden nach seiner Freilegung aus dem lehmigen Boden. An der rechten Seite weist er glattpolierte Flächen mit Gletscherschrammen auf. – Aufn. W. Irrlitz (08.05.2012)

 

(3)

(3) Experten begutachten den Fund: Ortstermin mit Dr. Klaus-Dieter Meyer (r., Fachmann für nordische Findlinge), Dr. Annette Richter (Niedersächsisches Landesmuseum Hannover) und Ole Schirmer (l., der Entdecker des Schweden-Findlings) – Aufn. W. Irrlitz (08.05.2012)

 

(4)

(4) Der Fund des Findlings im Deister löst ein großes Medieninteresse aus. Im Juni 2012 berichtet auch der NDR über den Stein. Von der NGH schauen der Vorsitzende Dr. Dieter Schulz (l.), Dr. Wolfgang Irrlitz und Ole Schirmer (mit Sohn) dem Fernsehteam über die Schultern. – Aufn. B. Behrendt (28.06.2012)

 

(5)

(5) Die von der NGH vorangetriebene Präsentation des Schweden-Findlings für die Öffentlichkeit erwies sich als gar nicht so einfach. Unter anderem waren naturschutzrechtliche Belange des inzwischen zum Naturdenkmal erklärten Steins zu berücksichtigen und die Finanzierung zu klären. Zusammen mit dem zuständigen Forstamtsleiter konnte in nur einigen 100 m Entfernung zum Fundort ein Block aus Deister-Sandstein ausgemacht werden, der als Basis für die Montage des Findlings geeignet war. – Aufn. F.-J. Harms (04.07.2017)

 

(6)

(6) Vor der Montage des Findlings als Denkmal sollte das genaue Gewicht des Steins bestimmt werden. Dazu wurde er geborgen und gründlich gereinigt. Bei der Gelegenheit bot sich wieder ein Blick auf die Seite mit der glattpolierte Fläche und den gut sichtbaren Gletscherschrammen an. Zwei Waagen zeigten dann unabhängig voneinander jeweils ein Gewicht von 100 kg an. – Aufn. F.-J. Harms (16.09.2017)

 

(7)

(7) Der Schweden-Findling aufgestellt am Rande des Fastwegs, in unmittelbarer Nähe zu seinem Fundort. Über die Fertigstellung freuen sich am Deister-Tag 2018 Prof. Dr. Klaus D. Jürgens (l., 2. Vorsitzender der NGH), Dr. Annette Richter (Niedersächsisches Landesmuseum Hannover) und Dr. Wolfgang Irrlitz. – Aufn. C. Huppert (06.05.2018)

 

(8)

(8) Der Schweden-Findling ist ein Naturdenkmal. Er durfte daher für die Montage auf dem Sandstein-Sockel nicht angebohrt werden. Stattdessen halten vier Edelstahl-Klammern den Stein in Position und ermöglichen zugleich, ihn von allen Seiten aus zu betrachten. – Aufn. F.-J. Harms (06.06.2018)

 

(9)

(9) Ergänzt wurde der Aufstellungsort durch eine Tafel, die den Stein und seine außerordentliche Bedeutung kurz erklärt. Näheres erfährt man über einen dort gezeigten QR-Code.  – Aufn. F.-J. Harms (06.06.2018)

 

(10)

(10) Die von Mitgliedern der NGH gestaltete Erläuterungstafel am Schweden-Findling. Unterstützt wurde die von der NGH veranlasste Aufstellung des Findlings und der Tafel durch die Bingo Umweltstiftung Niedersachsen, die Niedersächsischen Landesforsten und das Forstamt Saupark.

 

(11)

(11) Für die Interpretation des Schweden-Findlings als Zeuge der Eiszeit ist man auf Vergleiche mit heutigen Gletschern angewiesen. Das Bild zeigt den abschmelzenden und schon in einzelne Eisschollen zerbrochenen Stirnbereich des Svinafell-Gletschers (Süd-Island). Durch das Abschmelzen werden auf der Eisoberfläche Schmutzpartikel frei, reichern sich hier an und lassen das Eis dunkelgrau erscheinen.
Der in der Bildmitte im Eis sichtbare Felsbrocken (Pfeil) von etwa ½ m Länge wurde vom Gletscher mitgeschleppt. Zum Aufnahmezeitpunkt wird er durch das Abschmelzen vom Gletschereis allmählich freigegeben. Lange wird er sich nicht mehr in der Position halten können, aus dem Eis herausfallen und dann Teil des Gesteinsschutts werden, der sich im Vordergrund am Gletscherrand anhäuft. So oder so ähnlich wurde auch vor einigen hunderttausend Jahren der Findling aus Schweden bis in den Deister transportiert und hier vom abschmelzenden Eis abgelagert. – Aufn. F.-J. Harms (03.07.1981)