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Heiner Engel

21. März 1959 – 5. Dezember 2017

Ein Nachruf von Jann Wübbenhorst

Heiner Engel wurde am 21.03.1959 in Bevensen geboren. Nach Abitur und Zivildienst begann er 1979 sein Studium der Biologie und Erdkunde für das Höhere Lehramt an der Universität Hannover. Da die Berufsaussichten für Lehrer damals nicht besonders gut waren, entschied er sich nach dem Staatsexamen für eine Promotion im Fach Zoologie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover und legte 1990 seine Arbeit „Untersuchungen zur Autökologie von Unio crassus (Philipsson) in Norddeutschland“ vor. Seit 1988 arbeitete er bereits als pädagogischer Angestellter im Zoologischen Garten Hannover, von 1990 bis 1991 war er dann Leiter des damaligen Naturschutzseminars Sunder (heute NABU Gut Sunder). 1992 kehrte er als Kurator für Huftiere, Antilopen, Vögel und Reptilien an den Zoo Hannover zurück, wo er seit 1995 als Zoologischer Leiter tätig war. 1999 wurde er in den Prüfungsausschuss IHK Hannover-Hildesheim berufen, seit 2000 hatte er jahrelang einen Lehrauftrag an der Universität Hannover inne.

Im Zoo Hannover war er an der Entwicklung der Idee eines modernen, ebenso am Erlebnis- und Bildungswert für den Besucher wie am Tierschutz und internationalen Artenschutz orientierten Zoos beteiligt. Zahlreiche seiner Ideen flossen in die Gestaltung des heute vielerorts als beispielhaft geltenden „Erlebnis-Zoos“ ein. Eine Zooführung mit ihm war aufgrund seiner Begeisterungsfähigkeit und Originalität in der Tat immer ein bleibendes Erlebnis. Sein spezielles Engagement galt aber auch der Verantwortung Zoologischer Gärten für die Erhaltung vom Aussterben bedrohter Tierarten, wobei ihm die Antilopen Nordafrikas besonders am Herzen lagen.

Heiner Engel war Koordinator des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms für die Mendesantilope (Addax nasomaculatus). Von 1994 bis 2007 wurden auf seine Initiative insgesamt rund 100 Mendesantilopen aus Erhaltungszuchten (u.a. aus dem Zoo Hannover) in den Nationalparks Souss Massa (Marokko) und Bou Hedma (Tunesien) wieder angesiedelt. Die Auswilderung war erfolgreich und führte zur Entwicklung einer stabilen Population in den Nationalparks. Heiner setzte sich mit großem Engagement für den Natur- und Artenschutz in der Sahararegion ein und war Gründungsmitglied sowohl der Sahelo-Saharan Interest Group (SSIG) als auch des Sahara Conservation Fund (SCF), die sich dem Schutz von Mendesantilope, Säbelantilope (Oryx dammah), Nordafrikanischem Strauß (Struthio c. camelus), Damagazelle (Gazella dama) und weiterer Arten der Sahararegion widmen.

Ich lernte Heiner Engel 1990 kennen, als ich meinen Zivildienst am damaligen „Naturschutzseminar Gut Sunder“ des NABU antrat. Mit seiner Offenheit, seiner Zugewandtheit, seiner Kreativität, seinem Humor und seinem Arbeitsethos wurde er für mich und andere, die wir nur etwa 10 Jahre jünger waren als er, zu einem Vorbild und wenig später zu einem guten Freund.

Obwohl beruflich vor allem mit zoologischen Themen befasst, war Heiner mit fast noch größerer Leidenschaft botanisch interessiert. Zusammen mit seiner Frau Monika verwandelte er den eigenen Garten in Wunstorf in jahrelanger Arbeit (nicht selten in den frühen Morgenstunden noch vor der Fahrt in den Zoo) in einen „Biodiversitäts-Hotspot“ und ein gärtnerisches Kleinod. Später erfüllte er sich mit dem eigenen Kakteen-Gewächshaus im Garten einen Jugendtraum – seine Sammlung seltener Kakteenarten, die er erfolgreich vermehrte, würde auch einem Botanischen Garten zur Ehre gereichen. Über seine Liebe zur Natur und zu allen lebenden Dingen hinaus war Heiner Engel auch vielfältig kulturell interessiert, u. a. an jüdischer Musik, Literatur und Dichtung. Er liebte Lieder und Gedichte und konnte zu beinahe jedem Gesprächsthema ein anregendes Buch aus den endlosen Regalen des Engelschen Wohnzimmers hervorholen.

Anfang Januar 2013 erkrankte Heiner Engel schwer an einem Hirntumor. Die behandelnden Ärzte hatten ihn bereits beinahe aufgegeben, doch Heiner kämpfte sich noch einmal ins Leben zurück. An eine Fortführung seiner beruflichen Tätigkeit war jedoch nicht mehr zu denken. Mit der Hilfe seiner Familie und seiner Freunde konnte er sich, nun auf ständige Medikamenteneinnahmen und wiederkehrende Therapien angewiesen, einen Teil seines alten Lebens zurückholen und sich weiter den Menschen und den Dingen widmen, die ihm besonders viel bedeutet haben. Wenn man ihn nur für kurze Zeit traf und wenn im Gespräch sein großes Wissen, seine Belesenheit, sein Humor und seine Schlagfertigkeit wieder aufblitzten, konnte man fast glauben, er sei beinahe wieder derselbe wie vor diesem Schicksalsschlag.

Durch seine Vermittlung konnte ich im Oktober 2017 einen Vortrag bei der NGH halten, der sich mit Artenvielfalt in Gärten beschäftigte und damit mit zwei Themenfeldern, die ihm ebenso wie mir immer besonders am Herzen lagen. Ein nächstes Treffen war wie in den 25 Jahren zuvor zum Beginn der Adventszeit geplant. Dazu kam es nicht mehr, da sich Heiners Gesundheitszustand zusehends verschlechterte. Am 05.12.2017 ist Heiner Engel an seiner Erkrankung gestorben.

Allen, deren Leben er bereichert hat, wird seine Gegenwart fehlen.

Lebewohl, lieber Freund!

 

 

 

Klaus WächtlerHeiner Engel 1959-2017

Heiner Engel (1959–2017)