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Naturhistorica 156 (2014)

Naturhistorica 156  

Nach den zeitaufwändigen Arbeiten zur Fertigstellung des mit über 700 Seiten sehr umfangreichen Werkes „Geowissenschaften im Spiegel von Medaillen und Münzen“ von Gerd-Henrich Stork für die Jahre 2012 und 2013 sind wir nach zwei Jahren Pause mit dem vorliegenden Band 156 für 2014 wieder in der gewohnten Spur, eine Publikation für das laufende Jahr herauszugeben.

Eine Besonderheit für den Band 156 ist der Abdruck der Arbeit „Die sozialen Faltenwespen in Bielefeld“ unseres Jugendpreisträgers Phil Bussemas. Nach längerer Pause vergibt die Naturhistorische Gesellschaft Hannover wieder einen Preis für die beste Jugendarbeit, die mit 500 Euro dotiert ist. Die Preisverleihung findet am 19. Februar 2015 um 18:30 Uhr im Vortragssaal des Landesmuseums Hannover statt.

Für das Jahr 2014 lässt sich deutlich ein Themenschwerpunkt „Insekten“ erkennen, der bis in den Februar 2015 reicht. Eine Exkursion führte in das Institut für Bienenkunde in Celle. Ein Vortrag über „Wildbienen und Wespen – Artenvielfalt und Schutzmöglichkeiten“ von Dipl.-Biol. Rolf Witt, der im Auftrag der Stadt Hannover (Fachbereich Umwelt und Stadtgrün) die Stechimmen im Stadtgebiet im Rahmen  der Biodiversitätsstrategie „Mehr Natur in der Stadt“ untersucht und kartiert, findet am 18.12.2014 statt. Ein Vortrag vom Leiter des Bieneninstituts Celle, Dr. Werner von der Ohe, über „Stress im Bienenvolk – Warum sterben Bienenvölker“ folgt am 19.02.2015. Neben dem Artikel von Phil Bussemas finden Sie im vorliegenden Band auch den Beitrag von Rolf Witt über den Erstnachweis der Blauschwarzen Holzbiene für Hannover.

Wir sind stets um eine ausgewogene Themenmischung in unseren Jahresberichten Naturhistorica bemüht. Neben den vier zoologischen Themen gibt es auch zwei botanische Titel, einer mehr vegetationskundlich, der andere über den Florenwandel im Stadtgebiet Hildesheim. Mit dem paläontologischen Artikel über Sammlungsstücke (Ceratiten) des Landesmuseums Hannover führen wir die schöne Tradition der Aufarbeitung der Sammlungen des Museums fort. Zusammen mit der historischen Arbeit über Nathanael Gottfried Leske ist eine gute Auswahl gelungen, die für jeden Leser etwas bereit hält.

Sie können den vollständigen Band 156 hier herunterladen (7 MB).
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Inhalt:

 

  Phil Bussemas

Die sozialen Faltenwespen in Bielefeld
Eine Untersuchung zu ihrer Verbreitung unter Berücksichtigung ihres Auftretens in heimischen Bäckereien

– Jugendpreis 2014 der NGH –
Die Kenntnisse über das Vorkommen sozialer Faltenwespen sind bisher unvollständig geblieben. Solitär lebende Wespen sind besser erfasst. Als Ziel setzte sich Phil Bussemas daher eine möglichst flächendeckende Untersuchung des Bielefelder Stadtgebiets auf Wespenvorkommen. Mit 5520 Einzelnachweisen an 293 Standorten konnte für das Vorkommen der meisten in Bielefeld nachgewiesenen sozialen Faltenwespen ein sehr guter Überblick gewonnen werden.
Bemerkenswert ist die im Siedlungsbereich seit gut 10 Jahren in Bielefeld vorkommende thermophile Gallische Feldwespe Polistes dominula, die im Frühjahr inzwischen am häufigsten vorkommt.
Besonderes Augenmerk hat der Autor auf die Verteilung der beiden lästig werdenden Wespenarten – Gewöhnliche Wespe Vespula vulgaris und Deutsche Wespe Vespula gemanica – im Feld und in Bäckereien gelegt. Die verschiedenen sozialen Faltenwespen und deren Vorkommen im Stadtgebiet übertrug er auf Punktrasterkarten. Auch die Wespenberater der Stadt unterstützten ihn. Mit der Waldkuckuckswespe Dolichovespula omissa gelang ihm der Erstnachweis dieser Art für Bielefeld.
Fangprotokolle Fangprotokolle

 

 

Rolf Witt

Erstnachweis der Blauschwarzen Holzbiene Xylocopa violacea Linné 1758 in Hannover (Hymenoptera: Apidae)

Erstmals konnte in Hannover die Blauschwarze Holzbiene Xylocopa violacea L. nachgewiesen werden. Diese größte deutsche Solitärbienenart hat sich in den letzten Jahren immer weiter ausgebreitet und wird fast nur im Siedlungsbereich in Gärten und Parks nachgewiesen.

 

 

Malte Seehausen

Exotische Libellen (Odonata) in der Sammlung des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover

Die exotischen Libellen der Sammlung des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover (NLMH) wurden erfasst und determiniert. Es handelt sich um 98 Exemplare, hiervon konnten 51 Arten aus Nord- und Südamerika, Afrika und Asien bestimmt werden. Erwähnenswert sind einige Exemplare, gesammelt von bekannten Pionieren der systematischen zoologischen Erforschung Afrikas aus dem 19. Jahrhundert, sowie der Fund von zwei Tieren der nur von Java und Sumatra bekannten Chlorogomphus magnificus. Diese Art ist recht selten in Sammlungen zu finden, und auch Fotos und Abbildungen aus frei zugänglichen Quellen sind rar. Weiterhin befindet sich eine der weltweit größten Libellen – Anotogaster sieboldii – in der Sammlung des NLMH. Erwähnenswert ist auch die große Anzahl an Exemplaren von Hetaerina sp. aus Südamerika. Bedauerlicherweise fehlt vielen Tieren die Etikettierung, sie sind daher wissenschaftlich nicht auswertbar.

 

  Jürgen Rommelmann

Die Fischfauna der Bäche und Gräben im Hochwasserrückhaltebecken Salzderhelden (Landkreis Northeim, Niedersachsen)

Im Rahmen fischfaunistischer Untersuchungen wurde im August 2004 im Hochwasserrückhaltebecken Salzderhelden (Landkreis Northeim, Niedersachsen) eine Bestandserfassung der Fischfauna durchgeführt. Dabei wurden ausschließlich kleine Fließgewässer und Gräben untersucht, die das Gebiet durchziehen und zur Leine entwässern. Aufgrund der besonderen Bedeutung für den Naturschutz sollte damit eine Referenz erstellt werden, um die weitere Entwicklung und Bedeutung des Gebietes für die Fischfauna zu dokumentieren und zukünftig bewerten zu können.

 

 

Werner Müller

Flora und Florenwandel im Stadtgebiet Hildesheim

Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es, die Arbeit an der Erfassung sämtlicher wildwachsender Gefäßpflanzen der Stadt Hildesheim in den Jahren 1993 bis 1998 vorzustellen (Phase 1), die weitere Entwicklung der Flora in den Folgejahren zwischen 2002 und 2007 (Phase 2) sowie zwischen 2010 und 2012 (Phase 3) zu verfolgen und mit den ersten Ergebnissen (Phase 1) zu vergleichen. Die insgesamt hohe Anzahl von zunächst 960 nachgewiesenen Arten konzentriert sich ebenso auf die Industrie- und Siedlungszentren der Innenstadt wie auch auf die naturnahen Flächen an der Peripherie des Stadtgebiets. Die nachfolgenden Untersuchungen der Phasen 2 und 3 belegen eine überraschende Dynamik im Kommen und Gehen der Arten, von denen weitere 93 für die Stadt Hildesheim nachgewiesen werden konnten. Auch erfuhren eine Reihe ursprünglich seltener Vertreter innerhalb weniger Jahre eine außerordentlich rasche Ausbreitung. So bot es sich an, der Frage nach den Ursachen dieses Florenwandels nachzugehen und hierbei die Faktoren Klima und Boden näher zu beleuchten.

 

 

Max Peters

Vergleichende Vegetationsuntersuchungen in einem Buchenwald und einem Hainbuchen-Niederwald bei Wittenburg, Stadt Elze (Landkreis Hildesheim)

Innerhalb eines nördlich von Wittenburg gelegenen Waldstücks konnte eine klare Trennung zwischen Buchen-Hochwald und Hainbuchen-Niederwald ausgemacht werden. Eine vergleichende Vegetationsuntersuchung sollte klären, welche Pflanzen am jeweiligen Standort vorkommen und wodurch sich die Waldtypen unterscheiden.
Insgesamt konnten 89 Pflanzenarten festgestellt werden. Elf dieser Pflanzen sind Rote-Liste-Arten. Die pflanzensoziologischen Aufnahmen zeigen, dass die zwei Waldtypen eine sehr unterschiedliche Struktur aufweisen. Im Niederwald kommen zehn der elf Rote-Liste-Arten vor. Er weist eine höhere Diversität und Artenanzahl auf als der Buchen-Hochwald. Ein Verzicht auf die traditionelle Niederwald-Wirtschaft führt zum Rückgang der Arten und unweigerlich zu einer Rückumwandlung dieses Waldtyps in einen Buchenwald.

 

 

Patrick Strauch

Ceratiten zweier Teilsammlungen des Landesmuseums Hannover
Bewertung und Abgleich der Arterfassungen sowie stratigrafischer Hintergrund

Es werden Ceratiten der Schausammlung des Landesmuseums Hannover mit denen der Otto-Klages-Sammlung, beide aus den Schichten des germanischen Oberen Muschelkalk, verglichen, anhand der vorhandenen Bestimmungsmerkmale neu bestimmt und ggf. bereits vorhandene Ergebnisse verifiziert oder revidiert. Zu Beginn stehen eine Einführung in den Stamm der Weichtiere (Mollusca) und ein Überblick über Ammoniten mit den wichtigsten Kriterien zur Unterscheidung von Goniatiten, Ceratiten und den „echten“ Ammoniten. Außerdem wird auf die Systematik und Phylogenie der Ammonoideen eingegangen. Eine Beschreibung des Hauptfundortes der Stücke und eine Faziesbeschreibung der allgemeinen Stratigrafie der Trias und des germanischen Oberen Muschelkalk wird gegeben. Nach einer kurzen Übersicht der Entwicklung der Ceratiten des Germanischen Beckens folgen die wichtigsten Daten über die Klages-Sammlung. Die Bestimmung aller Exemplare bis auf eine Ausnahme konnten durchgeführt und verifiziert werden.

 

 

Gerd Ibler

Nathanael Gottfried Leske

Vor über 260 Jahren, am 22. Oktober 1751, wurde in Muskau an der Lausitzer Neiße Nathanael Gottfried Leske geboren. Er legte ein umfangreiches Naturalienkabinett an, das heute im National Museum of Ireland aufbewahrt wird. Er starb nur 35-jährig am 25. November 1786 in Marburg.

 

 

Naturhistorica – Berichte der Naturhistorischen Gesellschaft Hannover
Ausgabe 156 (2014)
Erschienen 2014, ISSN 1868-0828.
136 Seiten, kartoniert, 17,5 x 25,4 cm.
Preis: 12 €
© Naturhistorische Gesellschaft Hannover.
Herausgegeben im Auftrag des Vorstands.
Design, Satz: Matthias Winter, vemion GbR, Hannover