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Exkursion „Lüneburg – eine Perle unter den Hansestädten. NatUrgeschichtliche Exkursion VIII.“, 1.9.2018

Ein vollbesetzter Bus brachte uns bei schönstem Ausflugswetter nach Lüneburg. Erster Exkursionspunkt war der geologisch und geschichtlich wichtige Ort für die weitere Bedeutung der Stadt, der sog. Kalkberg. In Wirklichkeit besteht er fast vollständig aus Anhydrit und Gips. Dieser heute 56,3 m üNN hohe markante Berg am Rande der Stadt war entscheidend für ihre weitere Entwicklung. Der Kalkberg ist, geologisch gesehen, der sog. Gipshut eines bis an die Oberfläche auf gedrungenen Salzstocks. Solches Aufdringen kommt nur selten vor, ist u.a. aber auch in Bad Segeberg zu sehen. Gebildet wurde das Salz in der sog. Zechsteinzeit (vor ca. 250 Mio. Jahren), als aus einem sich über den norddeutschen Raum bis in die Nordsee und nach Polen erstreckenden stark salzhaltigen Meer mehrere 100 m dicke Salzablagerungen entstanden. Im Lüneburger Raum ist das aufgedrungene Salz aber schon lange durch Kontakt mit dem Süßwasser der Oberfläche aufgelöst worden. Verblieben sind stark salzhaltige Wässer im Untergrund. Das Salz daraus zu nutzen, in Zeiten, in denen Salz noch als „weißes Gold“ galt, hat die Stadt Lüneburg im Mittelalter zu einem der reichsten und bedeutendsten Orte in Nordeuropa gemacht. In sog. Salzsiedereien wurde das salzhaltige Tiefenwasser eingedampft, natürlich mit einem Riesenbedarf an Brennholz. Die heutige Landschaftsform der Lüneburger Heide ist hierdurch erst entstanden, indem der ursprüngliche weit verbreitete Wald abgeholzt wurde und sich Heidekraut ausbreitete. Die Förderung der Salzsole und damit Auslaugung des Untergrunds führte in Lüneburg dazu, dass Teile der Altstadt dauerhaft von Bodensenkungen betroffen sind. Folge davon sind Schäden an vielen Bauwerken.

 

Abb. 1: Vom Kalkberg hat man einen schönen Blick über Lüneburg mit den Türmen von St. Nicolai, St. Michaelis und St. Johannis.

Abb. 1: Vom Kalkberg hat man einen schönen Blick über Lüneburg mit den Türmen von St. Nicolai, St. Michaelis und St. Johannis.

 

Der Kalkberg, also der Gipshut, diente den Lüneburger Bürgern als Baumaterial. Festgestein ist bekanntermaßen im norddeutschen Raum Mangelware. So ist der ursprünglich 80 m üNN hohe Berg heute zu einem weitgehend ausgeräumten Zahn verkümmert. Immer noch eindrucksvoll ist aber der Blick vom höchsten Punkt auf die nahe Stadt. Von 951 bis 1371 stand auf dem Gipfel des Kalkbergs eine Burg, zunächst vom Adelsgeschlecht der Billinger, dann von den Fürsten Lüneburg-Braunschweig genutzt, ist sie heute leider nur noch eine Ruine.

Im Anschluss an den Besuch des Kalkbergs ging es ins Zentrum der Stadt, vorbei an der alten Michaeliskirche und einem gerade an diesem Tag wundervoll gestalteten mittelalterlichen Markt mit vielen Zeugnissen aus dem damaligen Leben der Stadt. Ziel war das bedeutende Rathaus von Lüneburg, eines der ältesten und größten im deutschen Kulturraum. Der Bau des Gebäudes begann um 1230, über Jahrhunderte hinweg wurde es immer wieder erweitert und ist heute noch Hauptsitz von Rat und Verwaltung der Hansestadt Lüneburg.

 

Abb. 1: Das mittelalterliche Rathaus Lüneburgs hat 1720 auf der Marktplatzseite eine prachtvolle barocke Fassade erhalten.

Abb. 2: Das mittelalterliche Rathaus Lüneburgs hat 1720 auf der Marktplatzseite eine prachtvolle barocke Fassade erhalten.

 

Dank fachlicher Kontakte unseres Exkursionsleiters Dr. Veil konnten wir neben den vielen mittelalterlichen Prachträumen und Kulturschätzen des Rathauses auch die sonst unzugänglichen Katakomben in der Tiefe besichtigen. Durch die schöne Altstadt von Lüneburg mit der Nikolai- und Johanniskirche ging es anschließend zum sehenswerten Salzmuseum.

 

Abb. 3: Die breite Straße Am Sande mit den schönen Giebelhäusern wird von der Kirche St. Johannis im Hintergrund dominiert

Abb. 3: Die breite Straße Am Sande mit den schönen Giebelhäusern wird von der Kirche St. Johannis im Hintergrund dominiert

 

Eine fachkundige Führung unterrichtete uns über die Entstehung und Nutzung des „weißen Goldes“. Manch einer nahm neben schönen Erinnerungen auch eine Original-Salzprobe mit nach Hause. Wieder ein inhaltsvoller Ausflug der NGH!

Ich danke dem Ehepaar Roeser für die Bilder.

Dr. Wolfgang Irrlitz

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